
Stefana Żeromskiego 117 – Łódź, Polen
Willa ist einer der ungewöhnlicheren Veranstaltungsorte auf Łódźs Landkarte der elektronischen Musik. Die Adresse Żeromskiego 117 liegt im weitläufigen Park Poniatowskiego. In einer historischen Villa, die fast vollständig von Grün umgeben ist, vereint der Ort einen kleinen Club, ein Café, einen Garten und einen Kulturraum. Tagsüber dient er als entspanntes Parkcafé; nach Einbruch der Dunkelheit wird dasselbe Gebäude zu einem kompakten Club für elektronische Musik.
Das Haus selbst ist etwa ein Jahrhundert älter als der Club. Es wurde um 1920–1925 im Stil eines polnischen Herrenhauses erbaut und vom Architekten Wiesław Lisowskientworfen. Es steht im zentralen Teil des Parks Poniatowskiego, einer der bedeutenden historischen Grünanlagen von Łódź. Seine ursprüngliche Nutzung als Wohnhaus schafft ein ungewöhnliches Umfeld für elektronische Musik: Statt eine Fabrik oder ein Lagerhaus umzunutzen – die Architektur, die am häufigsten mit Łódźs Nachtleben in Verbindung gebracht wird –, verlegt Willa die Tanzfläche in ein vergleichsweise kleines Wohngebäude, das von Bäumen umgeben ist.
Vom besetzten Haus zum Club
Das heutige Projekt wurde in 2022 eröffnet und hatte zunächst einen stark DIY-geprägten Charakter. In einer Mitteilung zum zweiten Jahrestag beschrieb das Team den Wandel ganz direkt: Nach zwei Jahren Renovierungsarbeiten sei „Willa kein besetztes Haus mehr“, sondern ein funktionierender Club, ein Café und schließlich auch ein Bistro. Diese allmähliche Entwicklung ist bis heute in der Identität des Veranstaltungsorts sichtbar. Willa wirkt weniger wie ein eigens als Nachtclub konzipiertes Gebäude als vielmehr wie ein Haus, das im Laufe der Zeit in einer Gemeinschaft immer neue Nutzungen gefunden hat.
Elektronische Musik spielt im Programm eine wichtige Rolle, insbesondere Techno, House und Electro, doch Willa versteht sich bewusst als mehr als ein genregebundener Club. Konzerte, Open Decks, Workshops, kulinarische Veranstaltungen und Treffen am Tag finden neben Wochenendpartys und Afterhours statt. Im Sommer werden der Garten und der umliegende Park beinahe ebenso wichtig wie die Innenräume.
Die regelmäßig stattfindende Reihe The Villa Techno Dancing zeigt die stärker im Underground verwurzelte Seite des Programms: Lokale und polnische DJs legen im vergleichsweise intimen Innenraum reduzierte Techno- und Electro-Sets auf. Zu den Künstlern, die bei der Reihe aufgetreten sind, gehören Hekato, Daisy Cutter, MKO, FM und G-Sound. Der Club hat außerdem Verbindungen zur breiteren polnischen Elektronikszene aufgebaut und ist nicht nur lokal tätig.
Ein besonders gutes Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit nach dem Audioriver-Festival mit Jasna 1 und Tama. 2026 vereinten die drei Clubs erneut ihre Crews zu einer Afterparty auf zwei Bühnen in Willa, mit Joana, Kovvalsky, MATRIX3K, PAWEL, WRK und anderen. Das Konzept nutzte den besonderen Charakter des Veranstaltungsorts besonders gut: druckvollere Musik im Innenraum und ein leichteres Programm draußen im Garten.
Club im Park
Letztlich ist es der Kontrast zwischen den beiden Umgebungen, der Willa ausmacht. Der Club beschreibt die Atmosphäre im Inneren mit den Worten „Bass, Beton und Stroboskoplicht“; für den Sound sorgt eine Funktion-One-Anlage. Draußen erstreckt sich einer der größten Parks im Zentrum von Łódź. Eine Nacht kann daher zwischen einer dunklen, kompakten Tanzfläche und einem Garten unter ausgewachsenen Bäumen wechseln.
Damit nimmt Willa eine ganz andere Stellung ein als Łódźs größere Veranstaltungsorte für elektronische Musik. Der Club braucht weder die Größe eines Lagerhauses noch jedes Wochenende ein bedeutendes internationales Booking. Seine Stärke liegt vielmehr in seiner Vielseitigkeit: nachmittags Café, im Sommer Garten, Konzertort, lokaler Treffpunkt und nach Einbruch der Dunkelheit ein kleiner Club für elektronische Musik.
Diese Mischung bewahrt auch etwas von den DIY-Ursprüngen des Projekts. Willa ist weder ausschließlich ein Nachtclub noch einfach ein Kulturcafé, in dem gelegentlich DJs auflegen. Der Ort liegt irgendwo dazwischen: ein hundert Jahre altes Haus mitten in einem Park, das nach und nach Teil der zeitgenössischen elektronischen Musikszene Łódźs wurde.

